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Begabungsförderung beginnt auch im
Kopf!
Schulhaus Klima findet im Kopf statt!! "Im Shaolin-Tempel gibt es
einen Saal mit tausend Spiegeln. Eines Tages kam ein Hund in diesen
Saal und sah sich plötzlich umgeben von tausend Hunden. Er knurrte
und bellte seine vermeintlichen Gegner an. Und auch die zeigten
ihm natürlich tausendfach die Zähne. Daraufhin wurde der Hund fast
rasend vor Wut. Und diese Wut schlug ihm tausenfach zurück, sodass
er vor Überanstrengung starb. Jahre später kam wieder ein Hund in
den Spiegelsaal und auch der sah sich von tausend anderen Hunden
umgeben. Er freute sich und wedelte mit dem Schwanz und hattte plötzlich
tausend Freunde." Quelle: Tepperwein Kurt - Erfinde
dich neu!, München, Herbig, 2002
Von Manfred Gehr/Urs Eisenbart
Über Schulhausklima, Schulkultur und Zusammenleben im heterogenen
Umfeld Schule ist schon viel nachgedacht und geschrieben worden.
Immer mehr wird uns aber bewusst, dass das grösste Potenzial für
ein gutes Klima in meinem, deinem unseren Köpfen liegt. Dabei vermeiden
wir in einem ersten Schritt bewusst die Wörter Veränderung und Entwicklung.
Denn am Anfang liegt eine neue, positive Bewertung des bisherigen
Zustandes. Vieles an unserem Tun war gut und verdient mehr Respekt
und Würdigung.
Die vorliegenden Gedanken wollen aufzeigen, dass jede und jeder
von uns die Riesenchance hat, das Zusammenleben im Schulhaus mit
wenig Zeitaufwand, Sitzungsstress und umtriebigen Aktionen positiv
mitzugestalten: Im Kopf!
Wenden wir uns zuerst dem Begriff Schulhausklima zu. Auf einen
Nenner gebracht stimmt für Schülerinnen und Schüler, Lehrerinnen
und Lehrer das Klima dann, wenn es für alle Lernen ermöglicht. Wo
Lernen stattfindet, passieren Fehler. Wie wird mit Fehlern umgegangen:
Im Matheheft, in der Schulorganisation, in der Teamführung? Lernen
wir aus Fehlern oder lassen wir uns vom Perfektionismus bremsen
und überfordern? Ist unsere Schule eine Schule für alle? Für die
Farbigen und Farblosen? Für die Morgenmuffel und Frühaufsteher?
Für die Schnellen und Langsamen? Für die Raucherinnen und Nichtraucher?
Letzteres zeigt explizit, dass auch die Verschiedenartigkeit im
Lehrteam nicht geliebt zwar, aber gelebt werden kann.
Dass dies nicht immer einfach ist, davon können wir alle erzählen.
Aber für erste Schritte ist es nie zu spät. Und die beginnen, wie
oben schon angetönt: Im Kopf.
Die folgenden Gedanken sind bewusst unvollständig und daher als
Brainstorming-Liste zu verstehen. Die ich-Form macht den Ort der
Verantwortung deutlich.
Schulhaus Klima beginnt im Kopf:
- Das Bild des Hundes aus dem Shaolin Tempel benutzen und so tun,
als ob ein gutes Klima herrscht. So wie man aus dem Wald ruft, so
ruft es zurück. Die Wirkung wird verblüffend sein.
- Die Verantwortung für das, was ich im Spiegel sehe, liegt bei
mir. Ich schaue auf das Positive und blicke auf Fortschritt und
nicht auf das, was nicht gelaufen ist. Mein Glas ist halbvoll anstatt
halbleer.
- Ich orientiere mich an meinen und unseren Visionen: Misserfolge
sind Meilensteine. Als Kind bin ich tausendmal gestürzt und irgendwann
bin ich trotzdem zum Laufen gekommen.
- Die Vergangenheit Vergangenheit lassen. Wir schaffen gemeinsam
ein gutes Klima, egal was bis jetzt war. Die Sprache unterstützt
mich dabei: Beobachtungen in die Vergangenheit formulieren und Verallgemeinerungen
weglassen. Statt "Wir haben ein schlechtes Klima" es so formulieren:
Früher sagte weder Hans noch Verena "Grüezi" als ich ins Lehrerzimmer
trat."
- Jeder entwickelt für sich ein Bild, eine Vision für ein gutes
Schulhausklima. Durch einen Austausch dieser Vision mit anderen
erhöhe ich die Chance der Realisation. Sie halten dies alles für
Selbstbetrug? Aber ja doch.... In anderen Bereichen klappt dieser
doch auch vorzüglich (eine Cremeschnitte ist keine....ein Gläschen
in Ehren...) Doch klar ist: Das mit dem Kopf ist nicht alles, aber
der Ausgangspunkt. Im Folgenden haben wir unsere Überlegungen noch
ausgeweitet.
Gefühle: Ernst nehmen, aber hinterfragen
Gefühle sind gespeicherte Erinnerungen aus früheren Erlebnissen,
alten Beziehungen, der Kindheit. Für unser Wohlbefinden sind diese
Gefühle wichtig. Manchmal überlagern aber Gefühle unsere Handlungsfähigkeit
und bremsen.
- Den Gefühlen trauen, aber differenziert wahrnehmen - Ich reagiere
auf das Verhalten von jemanden mit einem Gefühl. Dieses kann die
andere Person aber in vielen Fällen nicht erkennen oder deuten.
Es ist deshalb wichtig, der anderen Person transparent zu machen,
was bei mir ablief, wieso ich wütend, traurig oder enttäuscht war.
- Wenn ein Gefühl klar der Vergangenheit zugeordnet werden kann,
habe ich die Möglichkeit, auf das Verhalten von Schülerinnen oder
Teammitgliedern anders zu reagieren.
- Ich kann gute Gefühle durch Gedanken an positive Situationen,
Erfolge bewusst produzieren.
- Die Idee des zweiten Versuches: Auch wenn meine Gefühle für gewisse
Aktionen negativ belastet waren: Ich suche auf einer metakognitiven
Ebene Gründe für ein Gelingen beim nächsten Mal und gebe mir, den
anderen und der Sache so eine zweite Chance.
Wahrnehmung: nur wenig wird bewusst wahrgenommen, und dies
gefärbt interpretiert:
"Sieben blinde Mäuse entdecken etwas Seltsames. Was ist das? Sie
klettern auf das Etwas hinauf und beschreiben es: Die rote Maus
sagt: "Das ist eine Säule." Die grüne Maus meint: "Das ist eine
Schlange." Die gelbe Maus meint: "Nein, ein Speer." Die lila Maus
meint:"Eine grosse Klippe." Die orange Maus sagt: "Das ist ein Fächer."
Die blaue Maus meint: "Das ist nur ein Seil." Der Streit beginnt,
bis die weisse Maus auf das seltsame Ding steigt, hin und her rennt,
spürt und fühlt und sagt: "Jetzt verstehe ich. Es ist fest wie eine
Säule, geschmeidig wie eine Schlange, weit wie eine Klippe, scharf
wie ein Speer, luftig wie ein Fächer, faserig wie ein Seil, aber
alles in allem ist es ein ...............Elefant! (nach:
Ed Young, 7 Blinde Mäuse, Altberliner, Berlin-München, 1995)
- Ich beobachte vermehrt wertungsfrei!
Z.B. das Verhalten der Schülerinnen und Schülern, der Teammitglieder.
Dabei sei nochmals an den Hund im Spiegelsaal erinnert.
- Ich öffne meinen Blick für Möglichkeiten, welche zur Behebung
von Missständen dienlich sind. Das sich Ärgern über Missstände überlasse
ich anderen.
Beziehungen
Beziehungen zu anderen Menschen werden durch gemeinsames Tun und
Sprache (auch nonverbal) gelebt. Weil wir weder Schülerinnen und
Schüler, noch Hauswart und Teammitglieder auswählen können, kommt
diesem Bereich noch mehr Beachtung zu:
- Ich orientiere mich an den Kommunikationsregeln von Gordon über
Schulz von Thun bis Watzlawick.
- Ich schaue auf Kleinigkeiten: Was ist mir wichtig - was ist meinem
Gegenüber wichtig. Z. B. andere begrüssen, andere freundlich anschauen.
- Ich achte andere Menschen durch Beachtung. Vielleicht gerade
deshalb, weil sie (meistens unbewusst) bei mir etwas ausgelöst haben,
das ich nicht mochte.
- Ich verzichte auf Konkurrenzdenken und Schuldzuweisungen. Wie
bringen wir gemeinsame Fähigkeiten zu einem Ziel zusammen, wie können
wir eine Vision entwickeln, von der alle wieder profitieren können....
Ich unterstütze keine "Entweder/Oder", sondern eine "Sowohl-als
auch" oder " win - win" - Kultur.
- Ich akzeptiere, dass du nicht gleich bist und achte vermehrt
auf das Verbindende statt auf das Trennende. Wir entlasten uns davon,
als Team gleich sein zu müssen. Es lebe die Heterogenität. Dafür
nehmen wir alle in ihrer Art Ernst, akzeptieren und zeigen unsere
Schwächen und stützen uns als Gruppe.
- Wir entwickeln und leben eine positive Diskussions- und Streitkultur.
Handlungen
- Wir feiern Erfolge und zeigen, was alles gut läuft.
- Ich bin verantwortlich, dass etwas geschieht. Visionärinnen,
die trotz Bremsern handeln und deren Anliegen auch integrieren,
erhöhen die Chance zur Realisierung ihrer Vision.
- Ich nütze die Sprache bei der Formulierung von Zielen: Sie sind
motivierend, liegen in meinem Einflussbereich und in der Gegenwart
formuliert.
- Ich kann nicht jede Wirkung meiner Handlung voraussehen, deshalb
sind Veränderungen und Anpassungen möglich.
- Ich strebe eine Wirkung im Jetzt an - Kleine Schritte die sofort
wirken halten den Prozess in Schwung.
- Im Team bearbeiten wir Themen auf einer Ebene, die dem Bedürfnis
der Beteiligten entspricht: Wir suchen den Konsens, beziehen Minderheiten
mit ein und lassen Platz für verschiedenste Bedürfnisse.
Fazit
Es geht immer um das Schulhaus Klima: Ob im Bereich Prävention,
Mitbestimmung, Gesprächskultur, Gestaltung der Schulumgebung. Es
ist egal, wo man ansetzt: Automatisch werden verschiedenste Bereiche
tangiert. Wie ein Netz, das man berührt, schwingen die anderen Bereiche
mit. Je mehr Menschen gleichzeitig an etwas arbeiten, desto kraftvoller
ist die Wirkung. Doch der Ausgangspunkt liegt bei mir: Wenn ich
mein Verhalten ändere, ändert sich auch das Umfeld. Gegenüber der
Klasse, den Mitgliedern des Teams, den Behörden. Denken Sie an den
Hund im Spielgelsaal. Schulhaus Klima beginnt im Kopf!
Die Autoren Manfred
Gehr und Urs Eisenbart
stammen aus der Ostschweiz und arbeiten in der Weiterbildung von
Lehrerinnen und Lehrern in verschiedenen Bereichen. Sie orientieren
sich an den Bedürfnisse von Teams und begleiten diese bei der Umsetzung
von Projekten. Der Umgang mit sich selber und die Weiterentwicklung
persönlicher Ressourcen ist ihnen ein wichtiges Anliegen.
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